Der ethnographische Friedhof von Nida und Kurenkreuze

Neben der evangelisch-lutherischen Kirche in Nida befindet sich der ethnographische Friedhof aus dem 19.-20. Jahrhundert. Im ethnografischen Friedhof von Nida sind bis heute einzigartige Grabmäler aus Holz – Kurenbretter, Kurenkreuze, Totenbretter (lt. krikštai) zu sehen, die typisch für die Kurische Nehrung sind.
Das Kurenkreuz ist eine der ältesten Grabmalformen Litauens. Kurenkreuze wurden aus einem dicken Profilbrett hergestellt. Die Form des Kurenkreuzes ähnelt einem Baum. Sehr häufig wurden an den Seiten Vogelfiguren geschnitzt. Kurenkreuze oder Kurenbretter sollten nicht nur als Grabmal und Erkennungszeichen für den Verstorbenen dienen, sondern auch zu anderen Zwecken. Es herrscht die Meinung, dass die Kurenkreuze das Bild des mythologischen Weltenbaumes, der alle Welten verbindet, verkörpern. Auf der Geistesebene sollen diese Kurenkreuze als Weg der Seele oder des Gebets in die andere Welt, d.h. zum Himmel, dienen. Es ist zu betonen, dass Kurenkreuze für verstorbene Männer aus den sog. männlichen Baumarten wie Eiche, Birke oder Esche (auf Litauisch sind diese Benennungen männlichen Geschlechts) und für Frauen – aus den sog. weiblichen Baumarten wie Tanne, Espe oder Linde hergestellt wurden. Auf den Kurenkreuzen für Männer wurden häufig Pferdeköpfe, Pflanzen bzw. Vögel geschnitzt, und auf den Kurenkreuzen für Frauen tauchten neben Vögeln auch Pflanzensymbole bzw. Herzmotive auf. Die Memelländer bzw. Kleinlitauer haben die Kurenkreuze immer zu Füßen des Verstorbenen aufgestellt. Sie sollten sich „am Tag des Letzten Gerichts leichter an die Kreuze halten können und somit auferstehen“. Die Kurenkreuze wurden restauriert. Eduardas Jonušas war der Projektleiter. Die restaurierten Kurenkreuze und Kurenbretter befinden sich in der Ecke des Friedhofs.
Der Friedhof ist für Besucher zugänglich. Hier sind einige berühme Einwohner Nidas wie Hermann Blode, der berühmte Kunstsammler und Mäzen, Gustav Echternach, der Erbauer der evangelisch-lutherischen Kirche von Nida, und Ehrenbürger wie Architekt Algimantas Zaviša, Künstler Eduardas Jonušas und Bürgermeister Stasys Mikelis beerdigt..