MARTYNAS LIUDVIKAS RĖZA
Martynas Liudvikas Rėzas wurde am 9. Januar 1776 im Dorf Karvaičių geboren. 1782, nach dem Tod seines Vaters, wurde der Waise Liudvikas im nahe gelegenen Fischerdorf Naglių beim Fischer Radmacher untergebracht, und 1782 - 1783 lebte er bei seinem entfernten Verwandten Boehmą, dem Besitzer des Rasytės Postamts.
1785 - 1791 lebte L. Rėza im Kaukėnai (Nemunas-Delta-Region) bei dem Gatten der Schwester seiner Mutter, dem Theologen Christian David Wittich. Hier studierte er fleißig weiter und im Alter von fünfzehn Jahren wurde er in der Armenunterkunft von Lebenicht in Königsberg untergebracht. Im Jahr 1795 trat L. Rėza im Alter von neunzehn Jahren in die Theologische Fakultät der Universität Königsberg ein. Neben der Theologie studierte L. Rėza antike Sprachen, Literaturgeschichte, Rhetorik, beteiligte sich an den Geschichtsvorlesungen, am meisten interessierte er sich jedoch für Philosophie und orientalische Sprachen. Der Philosoph I. Kant, der Orientalist J. Hasse, der Historiker K. Mangelsdorf und Ch. Krausas übten einen großen Einfluss auf die Entwicklung seiner Persönlichkeit aus. Die Theorie von J. Hasse war nicht wissenschaftlich begründet, sie erregte jedoch die Vorstellungskraft von L. Rėza und weckte das Interesse an der Geschichte der Heimat, die auch Teil der Kurischen Nehrung war.
L. Rėza, der an der Universität Königsberg studiert hatte, schloss sein Studium 1799 ab, und obwohl er von einer Karriere als Forscher angezogen wurde, schlug er diesen Weg nicht sofort ein: fünfzehn Jahre diente L. Rėza als Militärprediger. L. Rėza bereitete sich nach Abschluss des Studiums stets auf die akademische Arbeit vor: er studierte Philosophie, Geschichte, Hebräisch, Chaldäer, Arabisch und 1807 verteidigte er seinen Doktortitel in Philosophie. 1810 wurde L. Rėza zum außerordentlichen Professor an der Universität Königsberg und lehrte Geschichte der christlichen Kirche sowie die Einführung in das Alte und Neue Testament. Seit 1811 war L. Rėza aktives Mitglied der Königlichen Deutschen Gesellschaft seiner Stadt, wo er Vorlesungen über Geschichte und Folkloristik hielt. Für das Studium der Geschichte der litauischen Bibel wurde L. Rėza in Theologie promoviert, und im Jahre 1819 wurde er zum Dekan der Theologischen Fakultät ernannt und später wurde er Rektor. 1819 war L. Rėza schon für seine litauische Werke berühmt, er wurde zum Ehrenmitglied der Literatur- und Kunstgemeinschaft des Kurlandes gewählt. Es war eine Gemeinschaft von Liberalen, die 1816 von Deutschen gegründet wurde und die Kultur des Landes förderte. 1828 wurde L. Rėza der erste Senior-Professor der Theologischen Fakultät. Die wissenschaftlichen und sozialen Aktivitäten von L. Rėza wurden am Ende seines Lebens hoch geschätzt: 1840 wurde er mit dem preußischen Staatsorden ausgezeichnet.
ADALBERT BEZZENBERGER
Professor Adalbert Bezzenberger (1851-1922 m.) – ein berühmter deutscher Wissenschaftler, Ethnograph, Archäologe, Kulturhistoriker und Pionier der akademischen Ostsee-Studien, der sich intensiv mit der Erforschung der Geschichte und Sprache von Ostpreußen, Preußen und insbesondere der Kurischen Nehrung beschäftigte.
Der Wissenschaftler hat über vier Jahrzehnte hinweg immer in Juodkrantė seine Sommerurlaube verbracht, ohne einen einzigen Sommer auszulassen. Sein letzter Sommer in Juodkrantė im Jahr 1922 dauerte bis zum 1. Oktober. In Juodkrantė lebte er in seiner Villa, die er 1906 kaufte. Die Aufenthalte in Juodkrantė dienten nicht nur der Erholung, sondern waren auch der archäologischen und sprachlichen Forschung gewidmet. Dank des Professors sind die auf der Kurischen Nehrung gesammelten sprachlichen und ethnographischen Daten ein Teil des europäischen Kontexts geworden, und seine vielfältigen Forschungen verlieren auch im heutigen wissenschaftlichen Umfeld nicht an Relevanz.
Im Jahr 2017 wurde eine skulpturale Komposition zum Andenken an den Professor A. Bezzenberger (Autor K.Musteikis) in der Nähe des Ortes errichtet, in dem das Haus von A. Bezzenberger stand (in der Nähe des Hotels „Kuršių kiemas“).
THOMAS MANN
1929 Im Sommer besuchte Thomas Mann und seine Frau Katia zum ersten Mal Nida, und der Schriftsteller war verzaubert, wie er sagte, „befangen von der natürlichen Schönheit und dem Zauber, der fantastischen Welt der reisenden Dünen“. Sie beschlossen sofort, ein Zuhause für die Sommer hier zu bauen. Im Jahr 1930, auf dem Berg Uošvės (der Schwiegermutter) wurde nach dem Projekt des Architekten Herbert Reissmann aus Klaipėda in Nida ein Sommerhaus errichtet. Am 16. Juli 1930 zog Thomas Mann und seine Familie in ihre neue Sommerresidenz ein, wo sie drei Sommer verbrachten (1930-1932). Hier folgte er der üblichen Tagesordnung. Er schrieb außer an „Joseph und seine Brüder“, Essays, Artikel, Briefe an Redakteure, Verleger, Übersetzer und Freunde. Im Jahr 1933 musste Thomas Mann und seine Familie aus Deutschland auswandern und kehrten nie nach Nida zurück.
Die Bewohner von Neringa sind stolz darauf, dass sich der Nobelpreisträger Thomas Mann in Nida ausruhte und zum schreiben kam. Als er hier die Tetralogie „Joseph und seine Brüder“ schrieb, war Thomas Mann beinahe fünfundfünfzig. Er kam nach Nida als ein humanistischer Schriftsteller, der eine feste Position im literarischen und kulturellen Leben hatte, der sich bereits für die Demokratie ausgesprochen hatte, seine Landsleute und Menschen aus anderen Ländern beständig vor der Gefahr des Faschismus in Europa warnte.
Im Jahr 1939 wurde Thomas Manns Bungalow verstaatlicht und in ein Jägerhaus „Briedžių giria“ („Wald der Hirsche“) umgebaut. Das Gebäude wurde von der Nachkriegszeit hart getroffen.
Auf Initiative von Antanas Venclova, der Vorsitzender des litauischen SSR-Schriftstellerverbandes war, wurde das Haus im sechsten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts umgebaut, die Fachleute, die zum Arbeiten nach Neringa kamen, übernachteten in diesem Haus, und 1965 wurde es der Bibliothek der Stadt Klaipėda übergeben, nach zwei Jahren wurde hier ein Lesesaal eröffnet und eine kleine Gedenkstätte errichtet. 1975 wurde das Gebäude renoviert und die Ausstellung wurde durch andere Exponate ergänzt.
1995-1996 wurde das Haus nach den erhaltenen Entwürfen des Architekten H. Reissmann und den Erinnerungen von Thom Manns Tochter Elisabeth Mann renoviert, um die authentische Umgebung des Hauses wiederherzustellen.
Ab 2014 hat das Museum eine neue Ausstellung. Dank modernster Technologie erzählt die Ausstellung nicht nur über das Leben und Werk des Nobelpreisträgers, sondern auch über die poetische Atmosphäre der in seinem Bungalow verbrachten Tage.
GEORGE DAVID KUWERT
Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts verwaltete F.K. Kuwert die Nidas Taverne samt Postamt. Das Überleben von ganz Nida hängt mit den Nachkommen von Kuwert zusammen. Die Familie Kuwert wurde eine der einflussreichsten und reichsten. Gottlieb David Kuwert (1748–1827) kaufte das Baumaterial der Kuncų Kirche, die vom Sand schon beinahe bedeckt wurde, und brachte sie nach Nida. In der Mitte des Dorfes errichtete er ein großes Gebäude, in dem sich eine Taverne, eine Wohnung, ein Hotel und ein Postamt befanden.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als der Sand die dritte Nida bedrohte, begann G.D. Kuwert, die Dünen zu bepflanzen und somit zu befestigen, um seine Gebäude zu retten. Den alten Kuwert unterstützte sein Sohn George David, der nach dem Tod seines Vaters die Erbschaft übernahm und die Arbeiten an dem Postamt fortsetzte.
Der Beginn der Bepflanzungsarbeiten ebnete den Weg für spätere Bepflanzungen um den Ort. Seinen Vater ließ George David auf dem Friedhof beisetzen, welcher im jungen Wald errichtet worden war. Nach seinem Tod wollte er selbst neben ihm begraben werden. Die Einwohner von Nida ließen Kuwert ein Denkmal mit einer auf einer Säule stehenden Vase errichten, in der in der antiken Zeit nicht nur Juwelen, sondern auch Wasser aufbewahrt wurde - der höchste Schatz für die Natur.
EDUARDAS ANTANAS JONUŠAS
Eduardas Jonušas besuchte Nida und die Erfahrungen, die er dort erlebte, waren für sein Schicksal entscheidend. Hier entdeckte er das Bild des Lebens der Kuronier, welche hier nicht mehr so zahlreich lebten (in Nida gab es noch einen kleinen Teil der zurückgekehrten Kuronier). E. Jonušas lernte einige von ihnen kennen, als er 1971 in Nida lebte. Dreißig Jahre seines Lebens widmete der Künstler der Wiederherstellung der ethnischen Kultur dieser Region, die damals bewusst zerstört wurde, insbesondere durch die Wahrung der bekanntesten Symbole der Kultur des Landes: Taufbecken, Kurenwimpel, Kurenkahne, Elemente der Fischerbauarchitektur (Holzschnitzereien und Kurenwimpel).
Das tiefe Verständnis der spirituellen Welt der Kuronier inspirierte E. Jonušas dazu, am Wiederaufbauprojekt der verlassenen alten Nida-Friedhöfe zu arbeiten und die Grabsteine – „krikštai“ - wiederherzustellen. Er war einer der ersten, der tief in das Phänomen einer sehr starken künstlerischen Tradition der Kuronier eindrang - die Kurenwimpel. Er stellte eine Sammlung der Zeichnungen der Kurenwimpel zusammen und verlegte zusammen mit dem Künstler Rimantas Dichavičius ein Buch über diese, aber die damalige Regierung erlaubte nicht, das Buch zu drucken. Er sammelte auch Exponate für das Historische Museum Neringa.
Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Litauens baute Eduardas Jonušas nach Erhalt der Zeichnungen das erste traditionelle Fischerboot der Nachkriegszeit, den Kurenkahn. „Dies ist mein Dank an die, die hier geboren wurden, auf diesem Land aufgewachsen und tief mit dem das Land verwachsen sind.“ (E. Jonušas). Dieses Kurenschiff, “Kuršis”, genannt, ist im Hafen von Nida oder auf den Wellen in der Lagune zu bewundern.
Eduardas Jonušas war nicht nur der Hüter des ethnographischen Erbes dieses Landes, sondern auch Künstler. Als Bildhauer schuf er sein erstes Werk in Nida - eine dekorative Komposition “Neringos vartai” („Tor in Neringa“), die am Eingang von Neringa steht und die leuchtenden Symbole des Landes verkörpert - drei Segel mit Kurenwimpel. E. Jonušas hat einen großen Beitrag zum Gedenken an die berühmte Wissenschafts- und Kulturfigur Martynas Liudvikas Rėza, der auf der Kurischen Nehrung geboren wurde, geleistet: ein von E. Jonušas (1975) geschaffenes Denkmal steht auf der Düne Skirpstas in der Nähe von Pervalka. An vielen der öffentlichen Plätze von Neringa sind die Arbeiten von E. Jonušas zu sehen: mit dem Pano „Darbas” („Werk“) ist die Lobby der Gemeinde Neringa dekoriert, und die dekorative Komposition „Pašto karieta” („Postwagen“) ist am Gebäude des Neringa-Postamtes zu sehen.
In der Malerei von Eduardas Jonušas dominierten, vor allem in Pastellmalereien der Frühzeit, die ethnographischen Motive der Natur der Kurischen Nehrung. Später, während seiner intensiven Schaffenszeit, widmete er sich den Zyklen der Bilder, in denen er seine Erfahrungen in der Hölle des sowjetischen Gulags durch Symbole erzählte.
Einer der berühmtesten Neringa-Künstler dieser Zeit, Ehrenbürger der Stadt, Kavalier des Ordens von Gediminas und der Preisträger des Preises von M. L. Rėza, ist E. Jonušas eine lebendige Geschichtsfigur der Region. Er starb im Jahr 2014 und wurde auf dem ethnographischen Friedhof von Nida beerdigt.
Am Stadtrand von Nida gibt es Werkstätten des Bildhauers und Malers Eduardas Jonušas, in denen 2016 Eduardas Jonušas' Haus (die öffentliche Behörde „Eduardo Jonušo namai“) gegründet wurde.
VIKTORAS MILIŪNAS
Der Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer Viktoras Miliūnas lebte und arbeitete von 1961 bis 1986 in Nida.
1961 hat die Familie Miliūnai eine Hälfte des Fischerhauses mit zwei Eingängen in der Kuverto Straße in Nida gekauft. Obwohl Miliūnas noch nicht wusste, dass Nida für ihn zukünftig alles bedeuten wird - die neu eröffnete Sand- und Waldwelt zwischen dem Meer und der Lagune - wo er sich selbst fand, ruhige, kreative Inspiration und die für seine Seele wichtige Nähe zu den Fischern der Lagune.
Der erste der litauischen Intellektuellen, der sich in Neringa ansiedelte, hat V. Miliūnas auch andere mit Nida „infiziert“ - Schriftsteller, Theaterschauspieler, Künstler. Während das Schriftstellerhaus noch nicht auf dem Berg Urbas stand, wurde das Miliūnai Zuhause als inoffizielles „Schriftstellerhaus“ bezeichnet - der Ort für Zusammentreffen und Gespräche mit Kulturschaffenden und Intellektuellen.
In Nida verbrachte der Schriftsteller eine besondere Zeit seines Lebens - hier schrieb er seine wichtigsten Prosawerke. Es gab ungefähr zehn Sammlungen von Kurzgeschichten und Erzählungen: „Pirmoji meilė arba nusikaltimas“, „Juoda upė“, „Vestuvės „Paryžiuje“, „Evalduko vasara“, „Meilė ir neapykanta“, „Žaidimas be taisyklių“, „Piknikas Grabšto rage“, „Koncertas muziejuje“, „Vienas iš trijų“, „Evalduko metai“ („Erste Liebe oder Verbrechen“, „Schwarzer Fluß“, „Hochzeit in Paris“, „Sommer von Evaldukas“, „Liebe und Hass“, „Spiel ohne Regeln“, „Picknick auf dem Grabštas Horn“, „Konzert im Museum“, „Jeder Dritte“, „Das Jahr von Evaldukas“.) Im Mittelpunkt fast aller Erzählungen stehen die Neringa-Fischer: ihr Leben, ihre Sitten, ihr Zuhause, ihre Beziehungen, ihre Liebe, ihre Arbeit und ihr Alltag. All dies entfaltet sich in dramatischen Geschichten voll subtilem Humor und Intonationen des talentierten Erzählers. Durch den Wortzauber von Miliūnas fanden sich normale Bewohner der Kurischen Nehrung in der Literaturszene wieder. Von den vielen Werken von V. Miliūnas gelten die lebensechten Beschreibungen von Nida als die reifsten Werke des Schriftstellers, die in Kurzgeschichten transformiert wurden.
Im August 1990 wurde in der Nähe des Hauses des Schriftstellers Viktoras Miliūnas in Nida (Straße G. D. Kuverto g. 6) eine Gedenkplatte aus Eichenholz enthüllt, die von Nidas Künstler Eduardas Jonušas entworfen wurde und „Nidos metraštininkui“ („An den Jahrbuchschreiber von Nida“) heißt. Die Gedenkplatte verrät, dass der Schriftsteller Viktoras Miliūnas hier in den Jahren 1961-1986 lebte. Bis heute ist dort sein Arbeitsraum im alten Fischerhaus verblieben, ein klarer Brunnen und drei Apfelbäume.
Der Teil des Archivs des Schriftstellers, wie Bücher, Manuskripte, Briefe, Fotografien, persönliche Dokumente oder Kopien davon, wird in der öffentlichen Bibliothek mit dem Namen Viktoras Miliūnas der Gemeinde Neringa aufbewahrt (Pamario 53, Nida).