Nida
Nida (dt. Nidden) ist die größte Ortschaft, 45 km von Smiltyne entfernt, und das Verwaltungsszentrum von Neringa. Westlich von der Siedlung befinden sich die Dünen Parnidis, Urbas, Angiai und Purvyne, östlich liegt das Kurische Haff. Nida ist eine der repräsentativen Ortschaften Litauens und wird oft von ausländischen Ehrengästen und Touristen aus Litauen und aus anderen Ländern besucht. Zur Zeit wohnen in Nida etwa 1550 ständige Einwohner. Jeden Sommer kommen etwa 60 000 Gäste.
Seit 2002 trägt der Ostseestrand von Nida die Blaue Flagge – ein jedes Jahr wieder neu verliehenes Zertifikat.
1366 wurde Nida in historsichen Quellen zum ersten Mal erwähnt. Die Siedlung Nida wurde wegen Versandung mehrmals verlegt und steht seit 1730 an der heutigen Stelle. Die Aussichten des Fischerdorfs haben sich 1745 deutlich mit der Gründung der Poststation in Nida verbessert – sie wurde aus der Siedlung Morskoje (ehem.Pillkoppen) nach Nida verlegt. Friedrich Casimir Kuwert hat die Poststation übernommen. Bis zum Anfang des 19.Jh. stand die Poststation Nida unter der Leitung mehrerer Generationen der Familie Kuwert. Der Posthof gewann nach der Übernachtung der Königin Luise von Preußen am 8. Januar 1807 an Berühmtheit. Die Königin hat hier unterwegs nach Klaipeda (Memel) übernachtet. Diese Tatsache wurde intelligent genutzt: 1829 wurde der Posthof nach dem Brand umgebaut und „Königin Luise“ genannt. Die Gastätte und anschließend das Hotel waren in Nida unter diesem Namen länger als hundert Jahre bekannt.
1869 ist Nida abgebrannt. Danach hat sich in der ethnografischen Zone Nidas ein typisches Straßennetz mit Fischerhäusern aus Holz vom Anfang des 19. Jh. entwickelt.
Am Ende des 19.Jh. wurde Nida von Künstlern entdeckt und sie haben im Hermann Blode- Haus eine Künstlerkolonie gegründet. Die Landschaften von Nida – die „Preußische Sahara“, die abgelegene Fischersiedlung, einzigartige Landschaften, Dünen, Küsten und Lichtspiel am Wasser – haben die Maler inspiriert. Die bekanntesten Vertreter: die deutschen Expresionisten Lovis Corinth, Max Pechstein, Karl Schmidt – Rottluff und der zum Einwohner Nidas gewordene Ernst Mollenhauer u.a.m. 1914 – 1918 hat der Maler Pranas Domšaitis Nida besucht, der auch Mitglied dieser Künstlergruppe war.
Nach dem 1. Weltkrieg entwickelte sich Nida sehr schnell und wurde zum Kurort wie Juodkrantė (dt. Schwarzort) mit mehr Komfort und vielen Besuchern.
Nidas Dünen wurden zum Anziehungspunkt der Segelflieger: 1933 wurde in Nida die Segelfliegerschule gegründet. Die bekanntesten Vertreter sind Ferdinand Schulz (Weltrekordträger im Segelflug – 60,2 km im Jahr 1927) und der litauische Rekordträger Alfredas Gysas (1938 betrug der Segelflug 26 Stunden und 30 Minuten) u.a.m.
Nach dem 2. Weltkrieg hat Nida ihren Namen als schöner Kurort und reiches Fischerdorf verloren. Es sind nur ganz wenige Einheimischen gebliebe. 1945 – 1956 kamen Neusiedler. Die wichtigste Tätigkeitsart war Fischen, aber die Arbeit wurde nach neuen sowjetischen Anforderungen organisiert: es wurde der Fischer-Kolchos Klaipeda gegründet.
1961 wurde die Stadt Neringa mit dem Zentrum in Nida gegründet.
Zur Zeit ist Nida ein attraktiver Erholungsort. Die Siedlung erstreckt sich am Haff über 2 km Richtung Süden-Norden. Der südliche Rand erreicht die Parnidis-Bucht und der nördliche Stadtrand verschwindet in den Dünen am Bulvikis-Horn.
Preila
Preila (dt. Preil) ist die drittgrößte Siedlung in der Stadt Neringa, 39 km von Smiltyne entfernt. Zum ersten Mal wurde diese Siedlung 1843-44 im Kirchenbuch Juodkrantė erwähnt. Sie wurde von den Bewohnern des versandten Dorfs Naujieji Nagliai (Neu Neegeln) gegründet. Die Fischer haben eine bequeme Haffküste an der kleinen Preilbucht in der Nähe der 60 m hohen Vecekrug-Düne gewählt.
Der Name Preila wird von dem Eigennamen des ersten Dorfbewohners abgeleitet. Die zweite Namendeutung beruht auf der Legende: es wird erzählt, dass in Klaipeda (Memel) drei gewalttätige Räuber Švarcerys (Schwarzer), Preilerys (Preiler) und Niderys (Nidder) festgenommen wurden. Der Richter hat eine merkwürdige Strafe verhängt: jeder sollte an einen Baumstamm festgebunden und in die Ostsee beim Sturm geworfen werden. Die Ostseewellen haben sie angeblich südwestlich an die Nehrungsküste gebracht. Die Räuber haben das Festland erreicht, und an diesen Stellen wurden drei neue Siedlungen Nida, Preila und Juodkrantė (Schwarzort) gegründet.
In Preila wurden die Häuser auf einer Seite der Straße gruppenartig gebaut. Die Bebauung fand zwischen der zweiten Hälfte des 19. Jh bis zu 30er Jahren des 20.Jh. statt. Hier dominieren einstöckige und für das Haff typische Häuser. Sie sind im Gehöft giebelseitig zum Haff ausgerichtet.
Am Anfang des 20. Jh. war Fischen die Haupteinnahmequelle der Einheimischen. Einige boten auch Unterkunft und Verpflegung an.
1933 wurde Preila zum Sommerkurort. Danach hat man die meisten Häuser umgebaut, zusätzlich Nebengebäude, Scheunen, Fischräuchereien gebaut, Reetdächer wurden durch Dachsteindächer ersetzt. Bis zu den sowjetischen Zeiten blieb Preila eine ruhige ethnografische Fischersiedlung. Hier haben berühmte Maler Erich Heckel, Max Beckmann, Richard Theodor Birstegel u.a. ihren Sommerurlaub verbracht.
Seit 70er-80er Jahren des 20.Jh ist Preila wieder als Kurort bekannt.
Zur Zeit wohnen in Preila atwa 200 Einwohner. Die meisten beschäftigen sich mit der Fischerei, die anderen sind in der Försterei tätig bzw. arbeiten im Tourismusbereich. Preila ist für die Gäste wegen Ruhe und Natur attraktiv. Von der Vecekrug-Düne bietet sich ein schönes Panorama an: der Birkenwald auf dem Großen Horn von Preila, der Kieferwald auf der Düne, die Ostsee und das Haff.
Pervalka
Pervalka (Perwelk) ist die kleinste Siedlung in Neringa. Pervalka liegt 34 km von Klaipeda und 15 km von Nida entfernt. Ständig wohnen hier etwa 40 Einwohner. Etwas lebendiger wird es hier nur in der Sommersaison, ähnlich wie in anderen Siedlungen der Kurischen Nehrung .
Der Name Pervalka bezieht sich auf die Besonderheiten des Fischeralltags – die Fischer sollten ihre Boote bzw. Kähne zum Wasser ziehen (das litauische Verb pervilkti bedeutet „ziehen“). Die Siedlung wurde 1844 durch Einwohner des versunkenen Dorfs Naujieji Nagliai (dt. Neu Neegeln) gegründet. Im Jahr 1871 haben in elf Häusern 59 Einwohner gewohnt. Sie haben sich hauptsächlich mit der Fischerei beschäftigt. 1880 – 1881 drohte die Versandung, aus diesem Grund wurde das Dorf etwa 1,5 km nördlich verlegt, wo es bis heute steht.
Am Anfang des 20.Jh. nahm die Einwohnerzahl in Pervalka zu: 1905 stieg die Zahl auf 110 Einwohner. Es wurde eine kleine Schule mit nur einer Klasse gegründet. Reetgedeckte Fischerhäuser sind giebelseitig zum Haff orientiert. Jedem Fischerhof wurde ein Teil des Haffufers für Abstellung von Booten bzw. Kähnen zugeordnet. Im Norden der Siedlung standen die Häuser näher an der Straße und im Süden – am Haffufer. Nördlich von der Siedlung wurde 1900 auf der künstlichen Insel im Haff direkt vor dem Žirgai-Horn (dt. Pferdehorn) ein Leuchtturm aufgebaut.
1933 wurde das Dorf zum Kurort ernannt. Es wurden neue Häuser gebaut, die alten Fischerhäuser wurden mit Holzschnitzerei und Windbrettern verziehrt. Es wurden ein kleiner Fischerhafen eingerichtet und ein Laden eröffnet.
Nach dem 2. Weltkrieg hatte das Dorf fast alle Einwohner verloren, es verödete langsam. Als Ferienort und Kurort begann sich Pervalka erst am Ende der 70er Jahren zu entwickeln.
Heute ist Pervlka ein Anziehungspunkt für Besucher, die nach Ruhe und abgelegenen Landchaften suchen. Wald und Dünen liegen in der Nähe.
Juodkrantė
18 km von Smiltyne entfernt liegt Juodkrantė (dt. Schwarzort). Das ist die einzige Ortschaft der Nehrung, die von der Hauptstraße durchquert wird. Der Ort liegt nur 1,5 km von der Ostsee entfernt (die anderen Orte sind weiter entfern). Der Weg zur Ostsee führt über den ursprünglichen Kieferwald. Die Bäume wachsen auf den hohen Parabol-Dünen und in tiefen Tälern.
Zum ersten Mal wurde der deutsche Name Schwarzort 1429 in historischen Quellen erwähnt. Es bleibt leider nicht ganz klar, ob eine Siedlung oder nur die Landschaft damit gemeint wurde: wirft man den Blick auf diese Ortschaft von der Ferne, z.B. vom Kahn, so sieht diese dicht mit Bäumen bewachsene Landschaft schwarz aus (Schwarzort).
Historische Quellen zeugen davon, dass in der Mitte des 16. Jh. Juodkrantė (Schwarzort) etwa 2,5 km nördlich von der heutigen Stelle lag. Zwischen dem 15. und 16.Jh. war Juodkrantė (Schwarzort) das größte Dorf im Norden der Kurischen Nehrung. Das alte an der Ostsee gelegene Dorf Juodkrantė (Schwarzort) mit 13 Höfen wurde 1599 – 1600 versandet. Das Dorf wurde umgesiedelt. Das Zentrum der neuen Siedlung am Haff (der sog. Kurort) wurde an der 1673 eröffneten Taverne gegründet. Rund um die Taverne haben die Fischer ihre Häuser gebaut. 1697 erhielten die Taverne und die zu ihr gehörenden Höfe das Kulmer Recht. 1744 wurde in Juodkrantė die Grundschule gegründet. Im südlichen Ortsteil haben sich die Bewohner des am Ende des 18.Jh. verwehten und versunkenen Dorfs Karvaičiai (Karwaiten) niedergelassen.
In der zweiten Hälfte des 19.Jh. (1860 – 1890) trug die Bernsteingewinnungsfirma "W. Stantien& M. Becker" zur Entwicklung der Ortschaft wesentlich bei. Die Firma hat nach Bernstein gesucht und die heutige Bernsteinbucht (lt. Gintaro įlanka) gegründet. Mit dem ausgebaggerten Grund wurden Ufer befestigt. Die Gesellschaft hat den Bau des Damms für Dampfschiffe finanziert und die Orgel für die neue Kirche in Juodkrantė gestiftet. Im Zentrum von Juodkrantė ist das schöne Administrationsgebäude erhalten geblieben. Ein Teil der Einwohner hat bei der Bernsteinsortierung und bei den Baggerarbeiten ihr Geld verdient. Die Firma hat Holzhäuser für Saisonarbeiter vom Festland gebaut. Meistens haben hier Litauer gearbeitet.
Zur Aufblühen von Juodkrantė hat die Familie Stellmacher einen wesentlichen Beitrag geleistet. Eduard Stellmacher hat sich entschieden die Taverne in Juodkrantė zu kaufen und sie für Gäste anzupassen. Er hat sie später zu einem großen modernen Hotel umgebaut und dadurch wesentlich zur Entwicklung des Kurorts beigetragen. Sein Sohn Louis hat die Arbeit fortgesetzt, indem er das Hotelgewerbe und die Infrastruktur im Kurort entwickelt hat. Er war lange als Vorstandskommissar des Kurorts tätig. Familie Stellmacher hat das Grundstück für Einrichtung der „Luisenbäder“ zur Verfügung gestellt.
In der ersten Häfte des 20 Jh. war Juodkrantė ein populärer Kurort an der Ostsee: 5 Hotels, 20 Villen und Pensionen und gemütliche Fischerhäuser baten Unterkunft für Gäste. 1923 wurde Juodkrantė offiziell zum Kurort ernannt. Das hat aber keinen Einfluss auf den Alltag und Gäste aus Klaipeda (Memel), Königsberg und Tilsit gemacht. Juodkrantė war ein renomierter und teuerer Kurort.
Nach dem 2.Weltkrieg hat Juodkrantė schwere Zeiten erlebt: Abwanderung der alten Bewohner und Integrationsprobleme der Neusiedler. Erst in den 70er Jahren hat der Ort wieder seine alte Kurortidentität gewonnen. Es wurden mehr Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich gegründet. Die alten Hotels wurden saniert, die neuen Gebäude – Erholungsheime der großen litauischen Unternehmen und verschiedener Organisationen und Ämter – wurden gebaut.
Das Einzelgehöft Alksnynė
Im Einzelgehöft Alksnyne wohnen zur Zeit einige Familien. An dieser Stelle war im Kurischen Haff früher eine Bucht. Nach der Vertiefung des Kurischen Haffs für Verbesserung der Schifffahrt wurde diese Bucht mit dem ausgegrabenen Grund zugeschüttet. Am Ende des 19. Jh. wurde während der Dünenbepflanzung an dieser Stelle das Gehöft für Förster, der Dünen beaufsichtigt hat, gebaut und "Alksnynas" genannt. Hier wurde der Kontrollposten gegründet, um die Nationalparkgebühren für die Einfahrt in das Territorium der Kurischen Nehrung zu kassieren. Für die Verwaltung des Nationalparks ist die Selbstverwaltung Neringa zuständig.
Etwa 500 m von Alksnyne entfernt steht links von der Straße das Denkmal für die Soldaten der Sowjetischen Armee, die im 2. Weltkrieg am Ende Januar 1945 ums Leben gekommenen sind. 3 km von Alksnyne entfert ist immer noch rechts von der Straße im etwa weiter stehenden Wald ein Fundamentrest der alten verfallenen Gebäude zu sehen. Hier hat seit alten Zeiten ein Beamter gewoht, der sie Poststraße beaufsichtigt und gepfelgt hat. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) wurden hier Baracken aus Holz gebaut, wo Kriegsgefangene untergebracht wurden. Ihre Aufgabe war Vordünen und Heiden (Palve) in dieser Gegend zu bepflanzen. Nach Befreiung der Kriegsgefangenen hat man hier Frauen untergebracht, die weiter bei der Dünenbepflanzung mitwirkten. Die Einheimischen haben das am Haff liegende Tal der Palve "Liebestal" und die anliegende Düne "Liebesdüne" genannt.